Wir machen Machtmissbrauch und Diskriminierung in der deutschen Musikindustrie sichtbar, indem wir anonymisierte Erfahrungsberichte sammeln, dokumentieren und veröffentlichen. So zeigen wir strukturelle Probleme statt vermeintlicher Einzelfälle auf und schaffen eine Grundlage für nachhaltige Veränderungen in der Branche.

Das Online-Archiv füllen

Betroffene können ihre Erfahrungen anonym über ein Formular auf der Website von Wellemachen einreichen. Jede Geschichte trägt dazu bei, das strukturelle Ausmaß von Machtmissbrauch und Diskriminierung sichtbar zu machen – und den Mythos vom „Einzelfall“ zu widerlegen.

Pressemitteilung

Machtmissbrauch und Diskriminierung in der deutschen Musikindustrie sichtbar machen

Die deutsche Musikindustrie gilt oft als kreativ, progressiv und vielfältig. Doch hinter den Kulissen zeigen sich immer wieder andere Realitäten: Machtmissbrauch, Diskriminierung und strukturelle Ungleichheiten sind keine Einzelfälle – sie sind Teil eines Systems.

Der Verein Wellemachen e.V. setzt sich dafür ein, genau diese Strukturen sichtbar zu machen und Betroffenen eine Stimme zu geben.

Vom Austausch zur strukturellen Aufarbeitung

Seit 2023 beschäftigt sich Wellemachen gemeinsam mit Aktivist*innen und Initiativen mit der Frage, wie Machtmissbrauch in der Musikbranche öffentlich gemacht und langfristig aufgearbeitet werden kann. In Zusammenarbeit mit Plattformen wie musicmetoo.de wurden anonymisierte Erfahrungsberichte gesammelt und kuratiert.

Aus dieser Arbeit entstand eine Ausstellung, die erstmals beim Reeperbahn Festival 2023 sowie beim Wellemachen Festival 2024 gezeigt wurde. Die Ausstellung macht strukturelle Gewalt und Diskriminierung greifbar – nicht abstrakt, sondern durch reale Stimmen aus der Branche.

Warum ein Archiv?

Ein wiederkehrendes Problem in öffentlichen Debatten ist die Individualisierung struktureller Gewalt. Fälle werden als „Einzelfälle“ dargestellt, Täter*innen rehabilitiert, während die Perspektiven der Betroffenen in den Hintergrund geraten.

Wellemachen will dem ein dauerhaftes Online-Archiv für anonyme Erfahrungsberichte entgegensetzen. Dieses Archiv:

  • sammelt Berichte zu Machtmissbrauch und Diskriminierung
  • macht strukturelle Muster sichtbar
  • bietet Betroffenen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wo und wie ihre Geschichte veröffentlicht wird
  • arbeitet DSGVO-konform und mit sensibler redaktioneller Prüfung

Ziel ist es nicht nur, Missstände zu dokumentieren, sondern die Basis für langfristige Veränderungen zu schaffen.

Intersektionale Perspektiven ernst nehmen

Diskriminierung in der Musikbranche ist vielschichtig. Sie betrifft Menschen aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Behinderung, Alter, sexueller Identität oder sozialer Position – oft in miteinander verwobenen Formen.

Besonders wichtig ist dem Verein auch die Sichtbarmachung von Diskriminierung aufgrund ostdeutscher Herkunft – eine Perspektive, die in bundesweiten Branchendebatten häufig unterrepräsentiert ist.

Eine Branche in der Verantwortung

Die Initiative versteht sich nicht als Anklage einzelner Personen, sondern als Beitrag zu einer notwendigen strukturellen Debatte. Machtgefälle, Abhängigkeiten und fehlende Kontrollmechanismen sind kein individuelles Problem – sie sind systemisch.

Eine nachhaltige Veränderung erfordert:

  • Gesetzliche Veränderung – z.B. die Ausweitung des Allgemein Gleichbehandlungsgesetzes auch auf Selbstständige
  • Eine konsequentere Kommunikation von Anlaufstellen in die Szene hinein, z.B. dem Angebot der Themis oder der Feminist Law Clinic
  • Eine Verantwortungsübernahme von Entscheidungsträger*innen
  • Solidarität innerhalb der Branche
Published On: 27. Februar 2026Categories: Gemeinschaft, Information, Sichtbarkeit